Friday, 8. December 2006, 17:26 Uhr

Gelesen

«Es ist bekannt, es ist ja alles so enorm bekannt. Fast jeder Mensch vertrottelt folgsam, fast jeder sieht den Inhalt seines Lebens darin, dienstfertiger Statist zu sein in einem ganz und gar vermaleideten Affenstück, fast jedermann hält seine anerzogene Debilität für Klugheit. Stumpfsinn ist Trumpf, Grosssprecherei grassiert, vermischt mit rettungsloser Bravheit.»

Gelesen in «Froschnacht» von Markus Werner

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21 Kommentare to “Gelesen”

  1. 9. December 2006 um 12:07

    Michael

    Der Beitrag scheint irgendwie geistreich. Alles ist schön schlecht. Ach, negative Weltbilder sind so populär. Sie sind übertriebene Antworten - eigentlich sind es Selbstlegitimationsversuche - von Menschen, die mit der Gesellschaft nicht zufrieden sind. Man gibt sich selbst als Gesellschaftsversteher in einer Gesellschaft, die einem nicht behagt. Was daraus wird ist meist: Darstellen wie es ist - von einer übergeordneten Ebene auf. Darüberstellen ist Trumpf. Ich beschreibe wie es ist und hebe mich implizit daraus hervor. Irgendwie arrogant.
    Es mag zwar zuweilen differenziert sein, ist aber selbst oft Grossmäulerei.
    Ich will nicht sagen, das Gesellschaftsbilder grundsätzlich unsinnig sind. Sie können Augen öffnen. Doch die “Alles-ist-schlecht-Bilder” sind doch meist nur Antwort auf ein Bedürfnis einiger Gesellschaftskritiker. So à la: “Ich weiss, dass ich rezipiert werde, wenn ich das Bild übertrieben schlecht überzeichne.” Das ist populär. Das macht sich immer gut. Die Nachfrage kreiiert das Angebot - ou, das ist unpopulär.

    Ist denn unsere Gesellschaft so schlecht? Sind wir wirklich alle Statisten in einer geistlosen und unsinnigen Gesellschaft?

    Nein sind wir nicht. Hoffnung ist angesagt! Es gibt gute Leute, und mitunter auch ganz kluge.
    (Es lässt sich einfacher leben, wenn man auch Lichtblicke zulässt.) Schwarzmalerei ist zwar vielleicht in gewissen Gesellschaftskreisen angesagter: aber man darf durchaus mal fröhlich sein ;-).

    Wie gesagt: Solche Bilder sind insofern wertvoll, als sie gewissen Leuten die Augen öffnen. Doch einigen verschliessen sie die Augen vor dem Schönen. Und schönes kommt auch vor. Es sei wieder an den Menschen geglaubt!
    Lieber Verbesserung als pauschale Kritik!

    Das mag besserwisserisch klingen. Doch scheisst mich die “Du-Musst-Das-Schlechte-sehen”-Tendenz an - gerade in meiner universitären, ja sagen wir akademischen Umgebung grassiert die Krankheit. Da musste ich das mal loswerden: Wir leben in einer schönen Welt: Zum Glück gibt es genug Individualität, das auch das noch gesehen wird!

    Liebi Grüess
    Sigi

    PS: Die Page ist super.

  2. 9. December 2006 um 12:24

    Michael

    Und nun für alle jene, die zu faul sind, den oberen Beitrag zu lesen, die sich nicht damit auseinander setzen wollen, denen all das sowieso am Arsch vorbei geht, kurzum: für all jene, die Werner als debile Statisten bezeichnet (evtl. noch zu erweitern um diejenigen Personen, die zu wenig Zeit haben, den langen Post meinerseits durchzulesen) - für all diese gibts nun die Kurzfassung der Aussage:

    Mich scheisst das manisch depressive Getue an. Ich fordere das Recht ein, auch mal das Schöne der Welt darstellen zu dürfen!

  3. 9. December 2006 um 17:11

    DaWeed

    Natürlich ist die Schwarzmalerei nichts gutes und Leute, die im Selbstmitleid versinken, sind durch ihre Einstellung eher gelähmt und fühlen sich Machtlos.

    Eigentlich kann ich sie auch gut verstehen, denn wenn man einen Blick in die Welt hinaus wirft (hier ist nicht die gleichnamige Zeitung gemeint…) und sieht wo es überall Not gibt auf dieser Welt, so ist es ein einfaches eine Pessimistin zu werden.

    Doch sind wir nicht als machtlosä Pessimistinnen genauso sehr ein kleines Rädchen in dem Uhrwerk. Lassen wir uns als Pessimistin nicht auch einfach von den äusseren (schlechten) Gegebenheiten fremdbestimmen?

    Doch den Blick auf das gute zu richten und die Probleme wegzudenken, ist eben so schlimm, vielleicht moralisch noch etwas schlimmer, da man sich in dieser Situation nicht um die Not kümmert, was was ungewissenhaft scheint.

    Die Kunst ist es also TROTZ oder gerade wegen diesen vielen Problemen das schöne der Erde noch zu erkennen und darauf hin zu arbeiten, dass das Schöne mehr und das Schlechte weniger werde. Also Brüder und Schwestern nehmt das Leben selbst in die Hand und kämpft für eine Welt, die etwas mehr dem entspricht, was wir haben wollen. Die Zeiten um sich resigniert in einer Ecke zu verkriechen sind vorbei. Ein für alle mal…

  4. 9. December 2006 um 17:39

    Michael

    Hey DaWeed!

    Schön, dass wir unsere Diskussionen in einen Blog auslagern, dann müssen wir uns nicht immer treffen ;-)!

    Ich will eigentlich deine idealistische Schlusssentenz nicht mehr bereichern.

    Ich möchte nur etwas klarstellen:

    Ich will die grossen Probleme auf der Welt nicht negieren. Ich lehne nur die Tendenz eines Teils unserer Gesellschaft ab, jeglich positives Denken über die Welt als Zeichen dafür zu deuten, dass der- bzw. diejenige sich mit der Welt, so wie sie ist, abfindet und sie nicht verändern will.

    Ich will nicht verschrien werde, nur weil ich auch die Vorzüge unserer heutigen Zeit sehe! Ich will manchmal unbekümmert sein dürfen.

    Das ist zwar vielleicht opportunistisch, aber deswegen nicht verwerflich oder gar unmoralisch.
    Ein Mensch, der sich Gedanken dazu macht, der hat immerhin schon den Schritt aus der von Werner so pessimistisch gezeichneten Gesellschaftsmasse gemacht. Der ist sich seiner Handlungen bewusst.

    Mich stört, dass es nun Leute gibt, die von dir in der Situation verlangen, dass du rumgehst und heulen musst.

    Nein, man darf sich in der Gesellschaft getrost auch mal wohl fühlen. Damit akzeptiert man sie noch lange nicht! Aber wenn man die Probleme der Welt stetig auf sein Ich projiziert, wird man von den Problemen dieser Welt schlichtweg erdrückt.

    Ich will glücklich sein dürfen, ohne als Konformist verschrien zu werden ;-)!

    So long
    Sigi

  5. 9. December 2006 um 18:25

    sophie

    Niemand verbietet es, dass der Mensch trotz allem glücklich sein kann. Die Stelle aus Markus Werners Buch beschreibt doch nur wie sehr sich die Menschen in alles einfügen. Wie sie zu dem werden, was sie früher immer verabscheut haben, wie sie ihre Rituale haben, aus denen sie nur zu gerne ausbrechen würden. Markus Werner schreibt anschliesssend auch: «Der korrumpierte Spiesser, der samstags Frau und Auto bürstet und sonntags Fussball schaut, beherscht das Feld.» Mir gefallen seine Sätze, weil sie Teile unserer Gesellschaft sehr gut auf den Punkt bringen.

    @Michael
    Nein, unsere Gesellschaft ist nicht so schlecht. Dies wollte ich nie behauptet haben! Du MUSST das Gute neben dem Schlechten sehen, sonst wäre unser Leben nicht mehr wertvoll. Und wie wir alle wissen, ist die Liebe wohl das Schönste und Wichtigste was uns hier auf der Welt an Gutem geschenkt wird. Auch wenn das kitschig ja fast naiv tönt. Im Innersten wird mir jeder und jede zustimmen. Denn wenn Liebe, Anerkennung und Geborgenheit fehlen ist ist es noch viel einfacher nur noch das Schlechte auf der Welt zu sehen.

    Aber man darf sich aufregen, darf kritisieren, und darf traurig sein. Das hat nichts mit Schwarzmalerei zu tun. Eine Verteidigung meinerseits.

    @DaWeed
    Gibt es nur weibliche Pessimisten?:-)

  6. 10. December 2006 um 5:26

    neo

    lol…
    sovielmist und unverstand zu einem so gescheiten kleinen stueck text…
    sorry sophie,aber das musste noch jesagt werden.
    grussindieschweiz
    neo

  7. 10. December 2006 um 14:27

    sophie

    @neo
    verständnis ist interpretationssache. leider.
    würde gerne mal «deinen mist» zum thema lesen.

    dnalhcstuedhcanssurg

  8. 10. December 2006 um 17:35

    maria

    also ich mag die pessimistinnen von daweed. :-)

  9. 10. December 2006 um 21:04

    mTz

    @sophie: jaja es tönt numä fasch es bitzli naiv dini lobeshymne ad liebi ir gschtaut vomenä fänschterputzer ufem ussichtsturm uf ds wäutpanorama. ohni liebi isch ds läbä wärtlos. selbstmordzellen für die lieblosen. liebi isch z beschtä wo eim uf dr wäut gschänkt wird. zwangsverliebig für aui. ds beschtä und z wichtigschtä im läbä. nidverliebti si pessimischtä und gseh numä no z schlächtä uf dr wäut.
    mängisch hassi di rosarot tunnelblick ä chli.

  10. 11. December 2006 um 13:40

    sophie

    @mtz
    habe ich behauptet, dass man ohne liebe alles nur noch negativ sieht? nein, habe ich nicht. ich habe geschrieben, dass es viel einfacher ist, ohne liebe nur noch das schlechte auf dieser welt zu sehen.
    Mich nervt dein «alle-verliebten-dieser-welt-sind-scheisse» getue auch!
    wär das jetzt ä grund üs gägesititg so richtig z verbrätsche? hoffes nid…

  11. 11. December 2006 um 14:22

    mTz

    ich bin nicht ganz einverstanden mit deiner verteidigung, es geht um mehr als du im letzten satz des umstrittenen abschnittes andeutest.
    aber i gloubä das isch no ke grund üs gägäsitig so richtig z verbrätschä.. :)

  12. 11. December 2006 um 17:26

    sophie

    liebe, anerkennung und geborgenheit bekommst du hoffentlich auch von deiner familie, deinen freunden und deinen arbeitskollegen zu spüren. deshalb gibt es sicher nicht so viele menschen, die in einer selbstmordzelle ausharren müssen.

  13. 11. December 2006 um 20:15

    mTz

    ja, eine selbstmordzelle sollte eh schnell und schmerzlos sein und nicht zum darin ausharren, sonst kann man ja auch althergebrachte methoden des suizids wählen. dies nur nebenbei um die diskussion zu beenden, denn irgendwie schreiben wir aneinander vorbei..

  14. 12. December 2006 um 3:50

    neo

    …der kleine zitierte text schreit:
    bleiben sie als mensch kritisch!
    nicht mehr,nicht weniger.
    /bitte sophie icke will das nich noch en detail ausfuehren muessen…/

    themen wie depression,liebe,suizid,pessimismus sind nicht intendiert.und gehoeren,falls selbige indirekt angedeutet worden waeren, mit groesster sorgfalt besprochen.
    habt euch lieb.kinders.
    peace out
    neo
    woherzumgeierweisstdudassichausDkomme

  15. 13. December 2006 um 20:29

    DaWeed

    Lieber Neo, falls du vom Gefühl befallen sein solltest, dass du bereits ein höheres Niveau erklommen hast, was das Verständnis dieses Textes anbelangt, lass uns Minderbemittelte bitte auf „unserem“ (tieferen) Niveau diskutieren, denn vielleicht können wir gerade durch diese Diskussion auf ein höheres kommen.

    Sophie: Ja, nur Pessimistinnen, Männer sind durchs Bürsten der Autos und der Frauen genügend vom Elend der Menschheit abgelenkt und können deshalb nicht pessimistisch sein.

  16. 14. December 2006 um 3:25

    neo

    weed …entspann dich…bin doch nur ich.

  17. 14. December 2006 um 20:37

    DaWeed

    Du glaubst gar nicht, wie entspannt ich bin / war als ich dies schrob.

  18. 16. December 2006 um 20:07

    ma

    huiui. jetzt wird’s brisant.

  19. 12. November 2007 um 5:13

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  20. 12. November 2007 um 5:13

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