Saturday, 29. April 2006, 15:58 Uhr
Die Welt verändern – aber wie?
Vieles auf dieser runden Kugel geht total schief und den meisten Menschen ist das auch völlig klar. Mir auch. Doch was tue ich? Kämpfe ich für eine bessere Welt? Esse ich nur noch biologisch? Kaufe ich keine Kleider mehr, von denen ich fast sicher weiss, dass sie unter unfairen Bedingungen hergestellt werden? Nähe ich meine Kleider etwa selber? Verzichte ich aufs Autofahren? NEIN, ich trage wunderschöne Adidas-Schuhe, meine momentanen Lieblingshosen sind vom H&M und die Pralinato-Glase von Néstle, die liebe ich!
Seit geraumer Zeit ist mir klar, dass Adidas eine ziemliche Ausbeuterfirma ist oder das Néstle Dinge treibt, welche mich kurzfristig zum kotzen veranlassen könnten oder dass der H&M sich nur ganz langsam etwas bessert. ICH WÜSSTE ES…. Und kurzfristig kann ich mich auch schrecklich über all die Ungerechtigkeiten aufregen. Aber eben nur ganz kurz. Im Winter sah ich z.B. den Film „We feed the World“, der mich sehr entsetzt hat aber trotzdem bin ich immer noch froh kurz vor Ladenschluss frisches Brot zu kaufen.
Was bin ich nur für ein Mensch? Ich lasse mich sehr schnell von den Dingen des Alltags ablenken, vom planen der nächsten Ferien, irgendeiner Party, der Schule, der Arbeit usw. und merke dabei gar nicht, dass ich mich langsam auch in diesen ganzen Prozess der vielen Ungerechtigkeiten eingliedere. Ich will ja schliesslich auch gut verdienen um mir in den Ferien ein Hotel statt eine Jugi zu leisten, ich möchte eine eigene Wohnung möglichst im Zentrum der Stadt, schön wäre auch eine neues Velo oder ein neuer Computer, eine Digitalkamera könnte ich auch gebrauchen, ein Bikini für den Sommer brauche ich auch noch (das Alte gefällt mir nicht mehr).
Wie in Gottes Namen könnte ich etwas verändern? Mir gelingt es ja nicht einmal in meinem Umfeld. Viele Menschen haben sich an den Zustand „Zufriedenheit“ gewohnt. Sie wissen, dass sie nicht wirklich glücklich sein können. (das hat mir kürzlich jemand einfach so gesagt, und ich musste ihm irgendwie zustimmen obwohl das sehr depressiv klingt) In der heutigen Zeit braucht es wahrscheinlich einfach zu viel um glücklich zu sein. Wir Leben in einem solchen Überfluss, dass er uns schon nicht mehr gut tut. Die Liebe, ja die kann einem noch kurzfristig etwas Glück schenken. Aber was ist mit denen die ihre wahre Liebe in diesem Chaos von Welt nicht mehr finden? Nun ja, heute kann man es ja mit Partner-Vermittlungen auf dem Internet versuchen. Da kann man sich den Traumpartner gleich selber zusammenstellen und darf dann gespannt sein, was der Markt momentan zu bieten hat, denn das ganze ist ja sicherlich nicht gratis, sonst wäre es ja nicht seriös genug.
Die Welt verändern, ja… gerne… – aber wie?
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